Die 4 Konfliktstrategien des Hundes

Ein Bild mit einem Zähne fletschenden Huskie

In meinem Beitrag „Hunde machen das unter sich aus – ein großer Irrtum“ habe ich die 4 Konfliktstrategien des Hundes ganz kurz angeschnitten.

 

Wenn Ihr die 4 Konfliktstrategien des Hundes noch nicht kennt, wird Euch nach dem Lesen dieses Beitrages sicher die ein oder andere Situation einfallen, in der Euer Hund genauso reagiert hat.

Die 4 F’s

 

Hunde zeigen uns genau, wie sie sich gerade fühlen und ob sie angespannt sind.

 

Befindet sich der Hund in einer stressigen oder beängstigenden Situation und weiß nicht, wie er sich verhalten soll, greift er auf eine der folgenden 4 Konfliktstrategien zurück.

 

Es hängt ganz von der Situation, des Charakters, der Erfahrungen und dem Auslöser ab, welche Strategie der Hund wählt. Oftmals ändert er auch die Strategie innerhalb eines Konflikts.

 

Tanis nutzt zwei Strategien sehr häufig, weil ihm diese in der Vergangenheit öfters geholfen haben. Die anderen beiden nutzte er bisher nie.

 

Die 4 Konfliktstrategien des Hundes

Ein Bild mit zwei Hunden an der Leine

Freeze (Erstarren)

 

Fühlt sich Euer Hund bedroht, erstarrt er. Der Körper wird steif. „Ich bewege mich nicht und hoffe, dass alles schnell vorbei ist!“ könnte sein Gedankengang sein.

 

Entweder bleibt Euer Hund solange stehen, bis die Situation vorbei ist. Oder sein Verhalten ist sehr schnell vorbei und geht in eine andere Handlung über.

 

Der „Freezer“ wirkt äußerlich ruhig und brav, innerlich allerdings hat er Angst und ist gestresst, ohne Hilfe zu bekommen.

 

Tanis ist ein „Freezer“, der entweder so lange steif verharrt, bis die „Gefahr“ vorüber ist. Manchmal geht sein „Freezing“ ins „Fiddling“ über.

Ein Bild mit einem aufgeregten Yorksher Terrier

Flirt/Fiddling

 

Der Hund zeigt hier unterwürfiges Verhalten bei der Annäherung, er macht Spielaufforderungen und zeigt Verständnis für egal welches Hundeverhalten.

 

Extremes Hüpfen, durch die Gegend flitzen, überdrehtes Verhalten oder „den Clown spielen“ zählt auch dazu.

 

„Schau mal wie freundlich ich bin. Ich will nur spielen! Bitte nicht böse werden. Ich bin doch total witzig, guck mal!“ könnten seine Aussagen oder Gedanken sein.

 

Dieses Verhalten deuten viele Hundehalter falsch. Mir ist es aus Unwissenheit selbst so ergangen.

Tanis wechselt häufig vom „Freeze“ ins „Flirt/Fiddling“. Er ist zuerst ganz steif und erstarrt und macht plötzlich Spielaufforderungen.

 

Es ist meistens jedoch nur ein Scheinspiel! Tanis will damit die Anspannung friedlich lösen und keinen Streit provozieren.

 

Er startet dann das Spiel, rennt weg und lässt sich vom anderen Hund jagen. Das Ganze sieht wie Spass aus, und man könnte schnell „wie schön die zusammen spielen!“ denken. Aber es ist definitiv Stress für beide!

 

Eigentlich lasse ich solche Situation gar nicht so weit kommen, weil ich bereits im Voraus solche Begegnungen meide.

 

Aber falls es doch mal passiert, achte ich genau darauf, dass Tanis schnell aus der Situation heraus kommt. Nicht, dass aus dem (Schein-)Spiel Ernst wird!

Ein Bild mit zwei sich gegenüber stehenden Hunden

Flight (Flucht)

 

Aus einer Situation zu flüchten, ihr also entgehen oder entfliehen, ist eine weitere Lösung für unsere Hunde, um Konflikte zu lösen.

 

Der Hund unserer Nachbarin verlässt den Raum, wenn sie saugt. Oder er hat auch Angst vor Behandlungen beim Tierarzt und flüchtet dann in die hinterste Ecke.

 

Sieht der Hund keine andere Lösung, dem Konflikt zu entkommen, gibt es nur noch den Kampf – das letzte der 4 F’s.

Ein Bild mit einem Zähne fletschenden Huskie

Fight (Kampf)

 

Reagiert ein Hund aggressiv, sieht er keine andere Chance mehr als diese Verteidigung. Er fängt an zu drohen und steigert sich womöglich bis zum Schnappen oder Beißen, wenn er keinen Ausweg mehr sieht.

 

Der „Fighter“ wird schnell als dominant abgestempelt, hat aber innerlich genauso viel Angst wie beispielsweise der „Flighter“, der mit seinem Fluchtverhalten häufig Mitleid auslöst.

Stressige Situationen erkennen

 

Lang anhaltender Stress macht nicht nur uns Menschen krank.

 

Daher ist es ganz wichtig, dass wir auf die Körpersignale unserer Hunde achten – egal in welcher Situation er sich befindet.

 

Kleine und große Konflikt- bzw. Stress-Situationen haben unsere Vierbeiner täglich – egal ob beim Tierarzt, beim Gassi gehen oder bei Begegnungen mit anderen Hunden.

 

Aber in welchen Situationen weiß er nicht, wie er sich verhalten soll?

Stressige Situationen lösen

 

Es ist ganz wichtig, dass wir als Rudelführer erkennen und handeln, wenn der eigene Hund (oder auch der fremde Hund) in einer Konfliktsituation steckt, aus der er nicht mehr herauskommt.

 

Ich achte darauf, dass ich Tanis in solche Stress-Situationen so wenig wie möglich bringe.

 

Wir trainieren zusätzlich in der Hundeschule, dass er immer weniger in Konfliktsituationen kommt bzw. dass er meine Unterstützung annimmt, wenn er sie benötigt.

 

Wenn uns Hunde entgegen kommen und ich bei Tanis’ Unsicherheit bemerke, biete ich ihm frühzeitig meine Unterstützung an und rufe ihn ab ins „Fuss“. Wir laufen dann zusammen im Halbbogen (wenn möglich) am entgegenkommenden Hund vorbei, während ich die beiden Hunde splitte.

 

Wenn Tanis in einer Situation selbstsicher ist, ich aber Unsicherheit oder Stress beim fremden Hund bemerke, lasse ich Tanis nicht zu ihm. Ich lasse es dann nicht darauf ankommen, dass der andere, gestresste Hund reagieren muss.

Die 4 Konfliktstrategien des Hundes – welche nutzen Eure Vierbeiner? Oder verhalten sie sich immer selbstsicher? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

 

Alles Liebe,
Tanja

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Kommentare

  • Fine

    Meine Hündin ist die typische „Freezerin“ und im Zweifel die „Flighterin“. Sie bleibt starr stehen und wartet kurz ab, aber wenn der andere Hund dann keinen Abstand nimmt, macht sie einen großen Bogen und flieht. In letzter Zeit habe ich bei ihr allerdings auch häufiger Anzeichen einer „Fighterin“ festgestellt. Sie knurrt dann andere Hunde an und weicht dann aus. Sollte der andere Hund aber penetrant bleiben, dann ist es in letzter Zeit auch schon vorgekommen, dass sie den dann angeschnauzt hat. Dieses Verhalten wird bei ihr mit zunehmendem Alter stärker (sie ist 15) und besonders seit dem sie im Sommer gebissen wurde.

    Antworten
    • Tanja

      Liebe Fine, vielen Dank für Deinen Kommentar. Wow, 15 – ein stolzes Alter! Da Hunde oftmals die Strategie innerhalb eines Konfliktes ändern, kann es durchaus vorkommen, dass alle 4 F’s genutzt werden. Du hast eine sehr gute Beobachtungsgabe!

      Ich wünsche Euch beiden noch lange eine schöne Zeit zusammen! Hoffentlich habt Ihr Euch noch eine Weile.

      Alles Liebe,
      Tanja

      Antworten
  • Ivana

    Hallo liebe Tanja,

    mein „Fox“ ist ein Freezer, jedoch mit einem lustigen Zusatz: er legt sich auf den Rücken und macht einen auf Opossum?
    Durch seine seltsame Reaktion, wissen die anderen Hunde nicht was sie tun sollen ;-)
    Die anderen 3 KS erkenne ich bei ihm überhaupt nicht….

    Er war ein Strassenhund und ca. 1 Jahr alt als wir ihn adoptiert hatten, wir wissen leider nichts über seine Vergangenheit und was er erlebt hat….
    Aber sein Verhalten zeigt, dass er jedem Konflikt stets aus dem Weg geht und da bin ich sehr froh, dass wir einen *Blauhelm* haben :-))
    Wir haben ihn nun schon 4 Jahre an unserer Seite, ein ganz toller und lustiger Begleiter und er ist auch bereits mein zweiter Hund… Einmal Hund immer Hund !!!

    Liebe Grüsse
    Ivana

    Antworten
    • Tanja

      Hi liebe Ivana!

      Vielen Dank für Deinen Kommentar! :)

      4 Jahre ist er schon bei Euch, wie schön! Ich hoffe, es werden noch gaaaanz viele weitere! Tanis ist jetzt 12. Und ich hoffe, er bleibt auch noch ein bisschen bei uns :) Wie alt wurde Euer erster Hund?

      Liebste Grüße
      Tanja

      Antworten
  • Melanie

    Sehr guter Beitrag mit tollen Infos, die ich so auch noch nicht kannte. Sicherlich am eigenen Hund schon gesehen aber nicht einschätzen können. Tabu ist eher der Typ „Freeze“ während er dann auch ins Fiddling übergeht. Da Tabu mit Fuss noch nicht umgehen kann, haben wir beim Gassigehen gerade zu Sommerzeiten unsere Probleme. Das Problem daran ist, das die Felder links und rechts hochstehen und hinter uns die Siedlung ist. Ein Ausweichen ist da nicht immer möglich leider um dem Stress zu entgehen. Wir arbeiten aber weiterhin dran das er mit dem Markerwort Fuss auch weiß, das er sich an mir orientieren kann und wir die Situation gemeinsam meistern. Manchmal nur einfacher gesagt als getan in unserem Fall :)

    Antworten
    • Tanja

      Liebe Melanie,

      vielen, lieben Dank für Deinen Kommentar.

      Ich freue mich sehr, dass Dir der Beitrag gefallen hat.

      Tabu wird das sicher mit der Zeit hinbekommen. Bei Tanis klappt es auch mal besser und mal nicht so gut, es ist Tagesform abhängig. Aber wir bleiben auch dran und üben weiter :) Ich drücke Euch jedenfalls fest die Däumchen, dass Ihr das hinbekommt!

      Alles Liebe,
      Tanja

      Antworten
  • Dorothee Otto

    Also meine Hündin ist immer zuerst ein Freezer und wechselt dann relativ schnell zum Fighter…..dabei schnappt sie in Richtung des anderen Hundes, trifft aber nie und gibt dabei sehr hohe Laute von sich. Das wird oft als zickig oder unberechenbar aufgefasst, aber ich kann es ihr ansehen, dass sie einfach nur Panik hat und keinen anderen Ausweg sieht.
    Ich glaube sie wurde nicht ordentlich sozialisiert, ich habe sie erst mit 4 Jahren bekommen und sie hat mit so gut wie jedem Hund Probleme. Ich weiß auch nicht, wie ich ihr den Stress gut nehmen kann, im Moment geh ich lieber allen aus den Weg außer ihren festen Hundefreunden (sind auch nur 3).
    Sie ist übrigens ein Dackelterriermix und 8 Jahre alt ;)

    Antworten
  • Conny

    Hallo. Meine Hündin Lotti 1,5 Jahre ist alles. Zuerst abwarten. Dann Spielaufforderung. Oder gleich weglaufen . Und sollte ihr ein Hund beim Spielen zu viel werden dann wird sie zur Schein Fighterin. Sie ist von Anfang an eine unsichere Hündin. Dafür hab ich scheinbar ein Händchen. Alle meine Hunde waren solche. Wobei ich allerdings immer Versuch die Situation zu entschärfen und sie oft gerade auch bei vielen Hunden wie in der Hundeschule raus zu nehmen. Sie wird halt da gerne gemobbt. Mein Trainer und ich schreiten da auch ein. Wenn Lotti allerdings im Spiel ist und sie anfängt sich zu wehren und auch mal die Führung übernimmst (was sehr selten vorkommt) lassen wir sie auch damit sie etwas sichere wird. Und wenn sie von selber kommt (was meistens) der Fall ist dann stelle ich mich auch vor sie und lasse die anderen Hunde nicht hin. Und das weiss sie auch. In den meisten Situationen mit den sie nicht umgehen kann kommt sie und sucht Schutz. Den ich ihr auch gerne gewähre. Einen besseren Vertrauensbeweis gibt es gar nicht😊. Leider gibt es viele die mit ihren Hunden das anders sehen oder noch schlechter gar nicht umgehen können . Grüße Conny

    Antworten
  • Ines

    Hallo. Mir ist das etwas zu einseitig. Nicht jede Situation, in der zum Spiel aufgefordert wird und die Hunde sich jagen ist Stress. Es gibt auch Hunde, die auf einer Wellenlänge sind, miteinander spielen und im Anschluss friedlich nebeneinander im Gras liegen.
    Und das hat nichts damit zu tun, dass ich den Stress meiner Hündin dann nicht erkenne. Manche Halter lesen so etwas und lassen überhaupt keinen Kontakt mehr zu – das knn es doch auch nicht sein.

    Antworten
  • Peggy

    Hallo, meine Tracy ist jetzt auch schon 12 Jahre und aus dem Tierschutz. Sie mag keine anderen Hunde, leider.
    Sie erstarrt, kommt der andere Hund auch nur in die Nähe ihres Hinterns gibt es garantiert ein Piercing.
    Natürlich sprechen wir vorher klar und deutlich- sie mag keine anderen Hunde!!
    Och meiner tut nichts, lassen Sie sie doch mal schnuppern- zack schon gebissen.
    Meistens gehe ich dem großflächig aus dem Weg, aber geht halt nicht immer.
    Sorry, ich sehe aber auch nicht ein, ihr den Maulkorb zu verpassen.

    Antworten

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