Der Leinenführigkeit an den Kragen gehen

Ein Foto mit einem Golden Retriever Hundim Fuss laufen beim Training für Leinenführigkeit

Ihr werdet mir zustimmen, wenn Ihr diesen Text fertig gelesen habt: Leinenführigkeit ist kein Hexenwerk!

Wenn ich andere Hundehalter sehe, würde ich sie am Liebsten knuddeln und sagen: „Geht auch einfach, Ihr Lieben!“. Geht es wirklich. Zuerst einmal muss man wissen, dass die natürliche Gangart eines Hundes Schritt, Trab und Galopp ist.

Frei laufende Hunde traben meist, auch trollen genannt. Deswegen müssen wir ihnen das Laufen an der Leine erst einmal beibringen. Wie ein neues Kunststück oder einen neuen Trick!

Die gute Nachricht: Leinenführigkeit ist lernbar.

Belohnung statt Bestrafung heißt das Motto! Druck führt auf gar keinen Fall zum gewünschten Ziel.  Ihr führt mit Eurer Stimme und Eurer Körpersprache, nicht mit der Leine. Die Leine sichert nur!

Zu allererst: Powert Euren Racker vor dem Training aus! Dann lässt es sich einfacher trainieren. Übt anfangs an einem Ort, an dem Euer Hund nicht abgelenkt wird: zuhause, auf einer Wiese oder einem leeren Parkplatz.

(Wirklich nur) 4 Regeln für ein gelassenes Gassi gehen

  • Ihr bringt Eurem Hund ein neues Spiel bei. Die Spielregel lautet „Die Leine darf nicht spannen!“.  Ziehen ist für Euch und Eure Hund verboten!
  • Packt Leckerlis ein, wenn Ihr mit Leckerlis trainiert.
  • Los geht’s: Leint Euren Vierbeiner an. Sprecht ihn an und lauft los. Läuft Euer Vierbeiner gleichauf mit Euch und hängt die Leine locker, belohnt ihn mit einem freundlichen, motivierenden Lob und/oder gebt ein Leckerli.
  • Sobald Euer Hund zieht und sich die Leine spannt, bleibt kommentarlos stehen! Lauft erst mit ihm weiter, wenn sich die Leine wieder entspannt. Gebt ihm nun aber kein Lob und/oder Leckerli!
Foto mit einem Golden Retriever Hund beim Leinenführigkeit Training
Foto mit einem Golden Retriever Hund an der Leine beim Leinenführigkeit üben

Die richtige Belohnung

Belohnung ist wichtig, denn sie gibt Eurem Hund Feedback über sein Verhalten und motiviert ihn, dieses Verhalten noch einmal zu zeigen.

Es gibt viele Möglichkeiten, Euren Hund zu belohnen. In der Hundeschule lernt man, so viele Belohnungsvarianten wie möglich einzusetzen.

Am Besten ist immer die Belohnung, die der Hund genau zu dem Zeitpunkt haben will:

Ruft Ihr Euren Hund aus dem Spiel ab, schickt Ihr in wieder zurück zum Spielen. Oder will er gerade in einen Bach springen, unterlässt dies aber, darf er als Belohnung reinspringen. Jagt er einem Eichhörnchen nach, lässt sich aber davon abbringen, fliegt als Ersatz ein Futterdummy, den er „jagen“ darf.

Aufmerksamkeit ist natürlich auch eine sehr große Belohnung für den Hund!

Wer einen verfressenen Hund hat, hat definitiv Glück. Denn verfressene Hunde sind leicht zu trainieren. Leckerlis sind außerdem sehr praktisch. Man hat eben nicht immer eine größere Fläche für ein Spiel, einen Bach oder ähnliches als Belohnung zur Verfügung. Leckerlis lassen sich ins Maul werfen, irgendwo verstecken, ins Gras werfen oder aus der Hand schlecken.

Wie wir Leckerlis beim Gassi gehen einsetzen, um es aufzupeppen, könnt Ihr übrigens in unserem Beitrag 5 Tipps, wie das Gassi gehen in der Stadt zur Party wird.

Im Falle von unserem Training für eine gute Leinenführigkeit ist die größte Belohnung für den Hund definitiv ein souveräner Hundehalter, der ihm Sicherheit gibt und der ihm Aufmerksamkeit schenkt (+ ggfs. Vergabe von Leckerlis).

Wir arbeiten mit Tanis gerade am Anfang eines neuen Tricks auch mit Leckerlis, weil er sehr verfressen ist, und das Training dadurch einfacher wird. Mit der Zeit schleichen wir das Leckerli geben bei manchen Befehlen nach und nach etwas aus bzw. geben nur noch ab und zu Leckerli.

Wer übrigens Angst hat, dass der Hund ohne Leckerlis dann nicht mehr hört, den kann ich beruhigen.

Wir haben zum einen so viele, verschiedene Belohnungsmodelle zur Verfügung und können das Verhalten unseres Hundes immer anders bestätigen. Und zum Anderen lässt sich jede Art von Belohnung auch wieder schrittweise ausschleichen oder nur ab und zu geben.

Bitte nicht Leckerlis in der Hand „bunkern“ und damit den Hund locken ;)

Daher: wenn mit Leckerlis belohnt wird, ist es wichtig, zum richtigen Zeitpunkt (wenn die Leine locker ist) das Leckerli aus der Hosentasche zu holen (oder aus diesem praktischen Leckerlibeutel*) und es zur Belohnung zu geben.

Locken hat durchaus seine Vorteile, wenn man einen neuen Befehl beginnt zu lernen. Das Locken durch Leckerlis sollte aber nach 1-2 Mal unbedingt wieder ausgeschlichen werden, da der Hund dies sonst falsch verknüpfen könnte.

Wenn Ihr trotzdem das Gefühl habt, dass Euer Hund nicht hört, wenn man ihm kein Leckerli gibt, dann habt Ihr Locken mit Belohnen verwechselt. Dann ist das Leckerli für Euren Hund zum Teil des Befehls geworden und eine falsche Verknüpfung entstanden.

Aber ruhig Blut, Tricks wie „Sitz“ oder „Platz“ erlernen sich ja auch nicht an einem Tag, wa? Geduld ist absolut gefragt. Und es ist auch ganz wichtig, zum richtigen Zeitpunkt zu belohnen.

Mit Geduld zu Frieden an der Leine

Haltet durch! Anfangs kommt Ihr womöglich nur Zentimeter weise voran. Und vielleicht werdet Ihr mich und diesen Blogbeitrag dann verfluchen.

Wechselt während Eures Trainings oft die Lauf-Richtung. Euer Hund lernt dadurch, sich auf Euch zu konzentrieren.

Habt Ihr Euch schon mal überlegt, eine feste Lauf-Seite für Euren Hund festzulegen? Unser Golden Retriever läuft immer auf der linken Seite, wenn er an der Leine oder bei Fuß läuft. Das haben wir damals in der Hundeschule gelernt.

Diese kleine Regel kann ich nur empfehlen. Es gibt keine wirren Seitenwechsel, die der Wuffi einfach selbst entscheidet. Der Rudelführer (Ihr!) gebt an, wo es lang geht.

Na und, stimmt Ihr mir zu? Leinenführigkeit ist keen Hexenwerk, oder? ;)

Alles Liebe, Tanja

* = Anzeige wegen Markennennung / Werbelink

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Kommentare

  • Laura

    Hallo Tanja,

    erstmal danke für diesen tollen Beitrag. Ich hätte dazu eine Frage, ab welchem Alter kann man damit anfangen? Wenn mein Hund (16 wochen) an der leine zieht und ich bleibe stehen, beschäftigt er sich sofort mit etwas anderem, sei es noch so ein kleiner Kieselstein. Dann weiß ich nicht mehr weiter 🙈
    Danke im Voraus
    Lg laura

    Antworten
    • Tanja

      Hallöchen liebe Laura!

      Wie süss, 16 Wochen! :) Wir haben Tanis auch so jung bekommen :)

      Die Welt eines Welpen steckt natürlich voller Reize und Aufregung, und er kann sich nur kurz konzentrieren. Du kannst das Vorgehen erst einmal für nur wenige Minuten täglich in reizarmer Umgebung (Hausflur, spielzeugbefreites Wohnzimmer etc.) üben. Die Zeitabstände kannst Du dann nach und nach steigern und das Training auch beim Gassi gehen einbauen.

      Ich kann Dich nur ermutigen durchzuhalten! Es lohnt sich. Als Tanis so jung war, haben wir manchmal eine gefühlte Ewigkeit auf einem Flecken verbracht, weil ständig etwas anderes interessanter war für ihn :) Wir kamen nur zentimenterweise voran :) Wir haben dann hin und wieder seine Konzentration mit Rufen oder Tütchen rascheln geweckt, so dass er die Aufmerksamkeit wieder auf uns gerichtet hat.

      Bei einem Welpen kann man ein perfektes Leinenführigkeitstraining nicht erwarten. Und zu strenges Training schreckt ihn ab. Aber wenn Du von Anfang an mit ihm übst und das Training langsam steigerst, wächst er leinenführig auf. Dann hast Du einen Hund, der wunderbar an der Leine läuft.

      Ich drücke Dir ganz fest die Däumchen für Euer Training.
      Lass mich wissen, wie sich der Kleine entwickelt!

      Liebste Grüße
      Tanja

      Antworten
  • Thorsten Gesell

    Hallo das liest sich ja alles toll aber mein Jack Russel nimmt keine leckerchen, was ich auch eigendlich gut finde ! Und das hieße ja das der Hund beim spazieren gehen nur gefüttert wird. Und für leckerchen machen Hunde ja fast alles. Und mit Fein und Party machen wenn der Hund was gemacht hat, brauche ich auch nicht mit ankommen. Schaut mich an wie nach dem Motto geht es mein Herrchen gut. Also auf Loben und abfüttern reagiert er nicht. Da er eigendlich ganz gut an der leine zu führen ist nervt es nicht ganz so. Habe ihm das im Welpenalter schon beigebracht leine entspannt gibt es Spaß, aber kein JA FEIN 🤣. Finde das mit denn abfüttern mit leckerchen auf Dauer nicht sinnvoll. Mal vergessen ein Problem und auf Dauer nicht gesund.

    Antworten
    • Tanja

      Hallo lieber Thorsten,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Wenn Du Deinen Hund ohne Leckerchen geben erziehst und ihm auf diese Weise alles beibringst, ist das doch wunderbar! Da freue ich mich sehr für Dich. Ich biete hier auf meinem Blog keine Universallösungen an. Wie ich meiner Blogbeschreibung erwähne, erzähle ich hier auf diesem Blog von unseren Erfahrungen mit unserem fast 12-jährigen Golden Retriever. So wie in der Kindererziehung gibt es in der Hundeerziehung viele Wege zum Ziel. Es kommt eben ganz individuell auf das Wesen und den Charakter an.

      Wenn ich von „Leckerli geben“ schreibe, meine ich übrigens nicht die ungesunden, abgepackten Leckerlis, die es im Einzelhandel zu kaufen gibt :) Wir nutzen als Leckerlis entweder Tanis‘ übliches Futter und ziehen es dann von seiner Tagesration ab. Oder wir nehmen Bananen- oder Karottenstückchen als Leckerlis. Wenn Du mein Hundekuchen Rezept kennst (https://www.haustier-notfallkarte.de/2017/09/27/hunde-kekse-selber-machen/), weißt Du, dass wir auf eine sehr gesunde Ernährung bei Tanis achten ;)

      Ich geben Dir recht, dass immer nur Leckerchen geben auf Dauer nicht sinnvoll ist. Wir haben durchaus in der Hundeschule gelernt, auch einfach mal zu loben ohne die Gabe eines Leckerlis. Sonst verliert das Lob an Bedeutung für den Hund, und er achtet nur auf das Leckerli. Aber wenn wir Tanis etwas Neues beibringen, unterstützen wir den Prozess durchaus mit Leckerlis geben. Damit fahren wir seit fast 12 Jahren sehr gut. Aber wie ich oben erwähnt habe, führen bekanntlich sehr viele Wege zum Ziel. Und ich freue mich sehr, dass Du hier Deine ganz eigene Erfahrung geteilt hast. Ich finde den Ansatz tatsächlich sehr interessant. Noch einmal vielen Dank dafür.

      Alles Liebe für Dich und Deinen Jack Russel,
      Tanja

      Antworten
  • Anni

    Hey :)
    Mein Pepe ist ein sehr aktiver Hund und viel mit der Nase unterwegs , daher geht es ihn nie schnell genug – und er zieht :(.
    Das Problem ist, sobald ich mit Leckerlies arbeite ist er so stark fixiert darauf welche zu bekommen, sodass ich befürchte er versteht garnicht warum genau er diese überhaupt bekommt … er starrt mir dann ständig in die Hand oder stubst sie an 😂

    Antworten
    • Elodia

      Uns geht es genauso. Unser Schäfermix ist auch einer der grundsätzlich auf jedes Leckerlie achtet und gefühlt nicht versteht warum dies und das.

      Antworten
      • Tanja

        Liebe Elodia,

        vielen Dank für Deinen Kommentar.

        Wie ich Anni bereits geantwortet habe, ist das Leckerli geben vielleicht nicht die richtige Art der Belohnung für Deinen Hund. Vielleicht bringt ihm ein Lob oder ein motivierendes Schulterklopfen mehr? Wir haben ja glücklicherweise viele Arten der Belohnung auf die wir zurück greifen können. Denn nicht nur der Zeitpunkt der Belohnung ist ganz wichtig, sondern auch die Art der Belohnung.

        Als mein Tanis ganz jung war und wir das Leinenführigkeitstraining geübt haben, war er auch sehr fixiert auf die Leckerlis. Da eine Belohnung erst dann ein Verhalten verstärkt, wenn sie innerhalb von 1 Sekunde als positive Konsequenz hin erfolgt (und ein aktuelles Bedürfnis befriedigt), habe ich das Leckerli auch erst dann aus der Hosentasche geholt und ihm direkt gegeben. Ich hatte keine Leckerlis in der Hand „gebunkert“, damit er sie weder riechen noch angaffen konnte :)

        Kennst Du meinen Beitrag Hund richtig belohnen ? Da geht es das richtige Belohnen von Hunden. Vielleicht ist da die ein oder andere Info dabei, die Dir weiter hilft.

        Liebste Grüße,
        Tanja

        Antworten
    • Tanja

      Huhu liebe Anni,

      oh, das kenne ich! :) Tanis war als Junghund genau so :))

      Wenn ihn die Leckerlis so aus dem Konzept bringen oder ihn so verrückt machen, ist diese Art der Belohnung womöglich nichts für ihn. Es gibt ja glücklicherweise sehr viele Belohnungsarten (ich habe darüber auch einen Blogbeitrag href=“https://www.haustier-notfallkarte.de/2017/12/07/hund-richtig-belohnen/“>Hund richtig belohnen„) geschrieben. Es kommt wirklich ganz auf den Hund und die Situation an. Die beste Belohnung ist ja immer die, die der Hund in dem Moment haben will. Beim Leinenführigkeitstrainig ist das natürlich so die Sache. Da kann man nicht einfach ein Spiel starten als Belohnung, denn man will ja, dass er ordentlich an der Leine geht :)

      Beim Leinenführigkeitstraining ist die größte Belohnung für den Hund definitiv ein souveräner Hundehalter, der ihm Sicherheit gibt und der ihm Aufmerksamkeit schenkt. Ein freundliches Lob oder ein zustimmendes Schulterklopfen wäre vielleicht die bessere Belohnungsart für Deinen Pepe. Probiere es einfach mal aus und lass mich gerne wissen, wie es läuft! :)

      Alles Liebe für Dich und Pepe,
      Tanja

      Antworten

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